Tipps&Termine
  
Delegation der Gnadenkirche reiste nach Beit Jala/Palästina:
Rede des GL-Bürgermeisters Lutz Urbach
anlässlich der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde und der Grundsteinlegung
für das "City Hall Building"
am Samstag, 12. März 2011 im Beit Jala Community Center

Die Rede von Lutz Urbach, die er anlässlich der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden hielt, fand ein großes positives Echo.

Zum einen weil er als einziger seine Rede auf Englisch hielt, so dass wohl nahezu alle Anwesenden die Worte sogleich verstehen konnten.
Zweitens weil er sowohl die Begrüßung als auch den Abschlusssatz auf Arabisch formulierte.

Prolog: Anreise
Infos + Fotos  

Festakt in Beit Jala
Fotos vom Festakt   
Bürgermeister-Rede 

Leben in Beit Jala  
Text + Fotos

Personen in Beit Jala  
Fotos + Geschichten  

Reise-Bericht  
Text  

Drittens weil er inhaltlich klare Worte für die Art der Partnerschaft fand, die beide Städte pflegen werden (Miteinander und Kompetenzvermittlung statt Geld).
Viertens weil er einerseits eindeutig das Verhalten Israels, das sich im "Ummauern" palästinensischer Gebiete ausdrückt, missbilligte und andererseits durch das Suchen einer israelischen Partnerstadt freundschaftlichen Dialog avisierte.

Auf vielfachen Wunsch der Delegationsteilnehmer die Rede des Bürgermeisters hier im Wortlaut:
a) auf Deutsch   
b) auf Englisch   

   
Die Bürgermeister-Rede auf Deutsch

  

Lutz Urbach, Bürgermeister
in Bergisch Gladbach
bei seiner Rede in Beit Jala

Sehr geehrter Herr Premierminister Dr. Fayyad,
lieber Freund und Bürgermeister Raji Zeidan,
meine sehr gegehrten Damen und Herren,

< Begrüßung auf Arabisch und Anmerkung: "The rest is in English." >

herzlichen Dank für Ihre Gastfreundschaft, herzlichen Dank für Ihre Einladung  zu diesem denkwürdigen Festakt. Es ist für mich eine Ehre, meine Stadt Bergisch Gladbach heute vertreten zu dürfen.

Wir werden gleich nicht nur die Partnerschaftsurkunde unterzeichen, sondern wir feiern heute gemeinsam die Grundsteinlegung für das neue „City Hall Building“.

Lieber Herr Zeidan, ich gratuliere Ihnen und den Menschen in Beit Jala zu diesem Bauprojekt. Ich wünsche für den Bau des neuen Zentrums Gottes Segen. Möge es ein Ort der Menschlichkeit werden und ein Haus für die Bürgerinnen und Bürger. Möge es auch ein Symbol für eine demokratisch orientierte Gesellschaft sein, die Sie hier in Palästina gestalten möchten. -----

Ich komme heute hierher als Vertreter einer deutschen Stadt. Aufgrund unserer Geschichte fühlen wir Deutsche uns dem Nahen Osten sehr verbunden. Zum einen hat unser Volk während der nationalsozialistischen Diktatur große Schuld gegenüber dem Volk Israel auf sich geladen. Eine Schuld, die wir niemals vergessen werden. Daher rührt unsere Sympathie mit dem Staat Israel.

Zum anderen hat unser Volk auch großes Verständnis für das Palästinensische Volk, das selbstbestimmt und in Freiheit leben möchte. Ein Teil meines Volkes hat in der DDR über Jahrzehnte hinweg in Unfreiheit gelebt.

Eine Mauer hat die Menschen in Deutschland getrennt und für Unfrieden und Unfreiheit gesorgt. Diese Mauer wurde überwunden – weil Menschen sich friedlich dafür eingesetzt haben, weil Menschen ihre angeborenen Rechte friedlich eingefordert haben. Auch die Mauer zwischen Israel und Palästina ist nicht unüberwindlich.

Lieber Raji Zeidan,
Sie haben bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Bergisch Gladbach eine bewegende Rede gehalten. Sie sagten, Beit Jala könne durch die Partnerschaft von Bergisch Gladbach lernen. Sie sagten wörtlich: “Durch unsere Beziehungen können wir von Ihren Erfahrungen - gemeint sind die deutschen Erfahrungen - in der Durchführung von Demokratie, Menschenrechtsschutz, Technologie, Umweltschutz, kommunaler Arbeit und von dem unermüdlichen Einsatz für den Weltfrieden lernen“.

Das hat mich und viele andere Bürgerinnen und Bürger sehr nachdenklich gemacht. Wir fragen uns, ob wir gute Vorbilder sind. Wie alle Menschen haben wir Fehler gemacht und machen wir Fehler, wie alle Menschen lernen wir täglich dazu.

Ich glaube nicht, dass unser Vorsprung so groß ist. Unsere Geschichte ist eine andere als die von Beit Jala, und die Erfahrungen der Menschen in Europa sind andere als die der Menschen in Palästina, schließlich ist ja auch unsere Kultur eine andere als die des Nahen Ostens.

Ein Wunsch ist jedoch überall auf der Welt gleich: der Wunsch, dass die angeborenen Rechte der Menschen überall respektiert werden, dass sich die Menschen mit Würde und guten, gerechten Absichten begegnen, dass sie trotz aller Unterschiede den anderen als gleichberechtigt sehen, dass sie sich gegenseitig vertrauen können und in diesem Vertrauen die Zukunft gestalten.

Für diese Ziele setzen wir uns alle ein - im Großen wie im Kleinen, in Beit Jala und in Bergisch Gladbach, in Palästina und in Deutschland - überall in der Welt!

Sich für diese Ziele einzusetzen heißt „Mensch“ zu sein.

Zurzeit geschieht Erstaunliches in den Arabischen Ländern. Menschen gehen für ihre Rechte auf die Straße. Leider sind diese Demonstrationen nicht immer ohne Gewalt.

Dieser Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern für demokratische Rechte ist auch für die Menschen in meinem Land sehr beeindruckend. Uns wird wieder neu deutlich, wie wichtig die Menschen- und die Freiheitsrechte für alle Menschen sind und das auch wir selbst pfleglich und verantwortungsbewusst damit umgehen müssen.

Wir Bergisch Gladbacher wünschen dem Palästinensischen Volk und allen anderen Völkern im Nahen Osten Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und demokratische Regierungen.

Wir freuen uns sehr, dass wir mit Beit Jala eine Partnerstadt außerhalb Europas haben, und dass diese gerade in Palästina liegt. Die Städtepartnerschaft zwischen Beit Jala und Bergisch Gladbach ist überhaupt erst die zweite zwischen einer Stadt aus Palästina und einer Stadt aus Deutschland.

Wir möchten mit Ihnen sein, meine Damen und Herren – besonders auch im Angesicht einer Mauer, und wir hoffen, dass diese Mauer immer wieder mit friedlichen Brücken überwunden wird bis sie einmal völlig niedergerissen wird.

Wir glauben daran, dass dies möglich ist, weil die Menschen hier und dort in Frieden leben wollen. Für uns ist es wichtig, dass es heißt: Palästina und Israel, es gibt kein „oder“! Darum wünschen wir uns auch eine Partnerschaft mit einer israelischen Stadt gemeinsam mit Beit Jala.

Die Entstehung der Partnerschaft zwischen Beit Jala und Bergisch Gladbach ist ein Symbol dafür, dass gute Ziele mit viel Geduld und Engagement erreicht werden können.

Zunächst war diese Partnerschaft auf private Kontakte beschränkt. Dann gründete sich ein Arbeitskreis in unserer Stadt: „Bürger für Beit Jala - Brücken statt Maueren für Palästina und Israel". Motor dieser privaten Begegnung war und ist das Ehepaar Becker. Danke, liebe Sabine  und lieber Axel Becker für Euren Einsatz.

2006 schließlich besuchten Sie, lieber Raji Zeidan, Bergisch Gladbach, und Anfang 2010 habe ich Beit Jala besucht - damals schon mit dem Wunsch, eine Städtepartnerschaft in die Wege zu leiten.

Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hat schließlich in seiner Sitzung am 13. Juli 2010 einstimmig die neue Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala beschlossen.

Hinter unserer neuen Städtepartnerschaft stehen nicht nur der gesamte Rat der Stadt, sondern auch immer mehr Bürgerinnen und Bürger. Sie sind es auch, die Brücken bauen statt Mauern.

In der kulturellen und schulischen Begegnung, im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch oder ganz schlicht als interessierte Touristen wollen wir Brücken bauen.

Ein sehr schönes Beispiel für solche Aktivitäten war das Theaterprojekt im Oktober 2010: Deutsche, palästinensische und israelische Kinder spielten Theater in Beit Jala und in Jerusalem. Dieses Projekt wurde von der evangelischen Kirche, einer Schule und einem privaten Theater getragen.

Hier in Beit Jala  war es die Abrahams Herberge der Lutherischen Kirche mit Pfarrer Jadallah Shihadeh und seiner Frau Hannelore, die in all den vergangenen Jahren Stützpunkt für den Aufbau der Städtepartnerschaft waren.

Weitere Kontakte sollen bald entstehen. So habe ich Briefe von Institutionen in Bergisch Gladbach an die Partner in Beit Jala mitgebracht, z.B. von den Krankenhäusern oder der Feuerwehr.

Unser Austausch soll lebendig sein und vielfältig. Ich bin sehr glücklich über diese Entwicklung und hoffe das Beste für die Zukunft unserer Partnerschaft, ich hoffe das Beste für Beit Jala.

   
    
Die Bürgermeister-Rede auf Englisch

Dear Prime Minister Dr Fayyad,
Dear friend and Mayor Raji Zeidan,
Ladies and gentlemen,

< Welcome in Arabic and notice: "The rest is in English." >

Thank you very much indeed for your hospitality, thank you very much for your invitation to this memorable ceremonial act. It is an honour to be allowed to represent my municipality today.

We are not only signing the certificate of our twinning agreement in a moment, we also celebrate the laying of the foundation stone for the new “City Hall Building” together.

Dear Mr Zeidan, I congratulate you and the people in Beit Jala on this building project. I wish God’s blessing for the construction of the new centre. May it be a place of humanity and a home for the citizens. May it also be a symbol of a democratically orientated community which you would like to create here in Palestine.

Today I am here as a representative of a German municipality. Due to our history the Germans feel very associated with the Middle East. On the one hand our nation became guilty concerning the nation Israel during the national socialist dictatorship. A guilt which we will never forget. Therefore our sympathy with the state Israel exists.

On the other hand our nation has also got a great understanding for the Palestinian people who wants to live self-determined and in liberty. A part of my nation lived in bondage in the German Democratic Republic for centuries.

A wall separated the people in Germany and brought about strife and bondage. This wall was overcome - because people stood up for it peacefully, because people demanded their native rights peacefully. The wall between Israel and Palestine is not insurmountable either.

Dear Raji Zeidan,
You delivered a touching speech when you signed the certificate of the twinning agreement in Bergisch Gladbach. You said that Beit Jala could learn from the town twinning with Bergisch Gladbach. You said literally: “By means of our connection we can learn from your experience – which means the German experience – in the realisation of democracy, protection of human rights, technology, environment protection, municipal activities and the unresting dedication in the world peace.“

That made me and many other citizens think a lot. We wonder if we are good ideals. Like all human beings we have made mistakes and we still make mistakes, like all human beings we learn new things every day.

I do not think that our advance is that huge. Our history differs from Beit Jala`s history and the European people’s experiences are different from the ones people in Palestine have, after all our culture is different from the one in the Middle East.

One wish is the same all-around the world: the wish that people’s native rights are respected everywhere, that people face each other with dignity and good, fair intentions, that they regard the others as equal in spite of the differences, that they can confide in each other and in this confidence plan the future.

We all stand up for these aims – concerning great and small projects, in Beit Jala and in Bergisch Gladbach, in Palestine and in Germany – everywhere in the world!

Standing up for these aims means being a “human being”.

Currently astonishing incidents are happening in the Arabian countries.

People demonstrate for their rights. Unfortunately these demonstrations are not always without violence.

This speaking up of citizens for democratic rights is also very impressing for the people in my country. Anew we get aware how important human rights and the right of liberty are for all people and that we also have to treat them carefully and responsibly.

The people from Bergisch Gladbach wish the Palestinian people and all other peoples in the Middle East peace, liberty, justice and democratic governments.

We are happy about having a twin town outside of Europe with Beit Jala and that this twin town is just situated in Palestine.

The town twinning between Beit Jala and Bergisch Gladbach is actually only the second town twinning between a town in Palestine and a German town.

We would like to be with you, ladies and gentlemen – especially in view of a wall and we hope that this wall will always be overcome with peaceful bridges until it will be completely broken down.

We believe that this is possible because people want to live in peace here and there. For us it is important that it says: Palestine and Israel, there is no “or”! This is why we would like to have a town twinning with an Israeli town together with Beit Jala.

The development of the town twinning between Beit Jala and Bergisch Gladbach is a symbol of the fact that good aims can be reached with a lot of patience and dedication.

At first this relationship was restricted to private contacts.

Then a working team was founded in our town: “Citizens for Beit Jala – building bridges instead of walls for Palestine and Israel.” The moving spirit of this private meeting was and is the married couple Becker. Thank you, dear Sabine and dear Axel for your dedication.

Finally in 2006 you, dear Mr Raji Zeidan, visited Bergisch Gladbach and at the beginning of the year 2010 I visited Beit Jala – at that time already with the desire to initiate a town twinning.

 Finally the City Council of Bergisch Gladbach decided concordantly in its session on 13th July (=thirteenth of July) 2010 on the town twinning between Bergisch Gladbach and Beit Jala.

It is not only the entire City Council which stands behind our new town twining but also more and more citizens. They are the ones who build bridges instead of walls.

We would like to build bridges in cultural and academic meetings, in the scientific and economic exchange or simply as interested tourists.

A very nice example of activities like this was the theatre project in October 2010: German, Palestinian and Israeli children acted together in Beit Jala and in Jerusalem. This project was borne by the Protestant church, a school and a private theatre.

Here in Beit Jala it was the Abraham harbourage of the Lutheran church with Minister Jadallah Shihadeh and his wife Hannelore who have been a base for the development of the town twinning in all past years.

Further contacts shall soon be developed. Thus I brought letters from institutions in Bergisch Gladbach for the partners in Beit Jala, for example from the hospitals or the fire brigade.

Our exchange shall be lively and variegated. I am very happy about this development and hope the best for the future of our twin town, I hope the best for Beit Jala.

   
Fotos/Copyright: Ute Glaser
  
Home     Nach oben